Theater Kontraste  

im Winterhuder Fährhaus HH

 

Premiere  01. März 2017 

 

Regie:  Meike Harten

Ausstattung:  Sabine Flunker               

Laufende Vorstellungen

bis 25.Mai 2017

 

 

 

Besetzung

Vivien Mahler              (Ulrike)

Markus Frank              (Michael)

Johan Richter              (Vincent)               

Christoph Finger          (Haulupa)  

Julia Schmelzle            (Jessica)      

 

HH Abendblatt, 3.März 2017

  Eine großartige Sozialfarce im Theater Kontraste

  Von Stefan Reckziegel

Im "Stück Plastik" trifft jetzt Bürgerlichkeit auf Kunst – zur Freude des Premierenpublikums...

Und was passiert, wenn Bürgerlichkeit auf Kunst trifft?

Marius v. Mayenburg, Autor der Schaubühne, hat sein Theaterstück eigentlich in Berlin angesiedelt, nun jedoch spielt "Stück Plastik" in Winterhude. Und zwar richtig gut und böse – ein Qualitätsmerkmal des Theaters Kontraste.

Was Meike Harten, die 2014 Mayenburgs Sozialsatire "Der Hässliche" und die französische Komödie "Der Vorname" im kleinen Fährhaus-Saal erfolgreich inszeniert hatte, mit dem ideal besetzten Ensemble abliefert, ist eine reife Leistung. Die Abrechnung mit Standesdünkeln, verlogenen Denkweisen, Ausbeutung, der Kunst und Rassismus im liberalen Milieu – alles drin. Und doch gelingt es der Regisseurin in dieser Sozialfarce,

das Menschliche zwischen den Konflikten herauszuarbeiten.

Michael (Markus Frank), ein gestresster Chirurg, und Ulrike (Vivien Mahler) sind in ihrer Beziehung wie mit der Erziehung ihres Sohnes Vincent überfordert. Den Zwölfjährigen gibt Johan Richter – ein Twen – als vernachlässigtes Kind, das nur auf seine Mini-Kamera starrt. Das ändert sich erst mit der Haushaltshilfe Jessica. Julia Schmelze spielt sie als weltfremde, gleichmütige junge Ossi-Frau ("Ich putz das einfach alles weg"), die sich als "deutsches demokratisches Ostobst" bezeichnen lässt.

Für derart Unflätiges steht der Gast Serge, von Christoph Finger großartig als Egomane und Karikatur eines Konzeptkünstlers verkörpert. Serge, im fremden Heim auch Erschaffer eines Holzkreuzes mit Gemüse, will "die Putzfrau zur Muse" machen, doch das ruft Ulrike – selbst gescheiterte Künstlerin – auf den Plan. Gekonnt spielt Vivien Mahler Serges hörige Assistentin, um dann ihren Mann Michael zur Schnecke zu machen. Der weiß sich nur mit dem Werfen von Spaghetti zu helfen – das Resteessen der hippen Großstadtneurotiker nimmt ein unschönes, wenn auch für die Zuschauer erheiterndes Ende. Die bedachten die Premiere mit minutenlangem Applaus.

 

 

  Hamburger Morgenpost, 3. März 2017

 „Stück Plastik“ begeistert: Herrlich gespielte Sozial-Satire

  Von Brigitte Scholz

Wer keine Sorgen hat, der macht sich welche. Solchen gut situierten Jammerlappen zeigt Gegenwartsdramatiker Marius von Mayenburg im Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus klare Kante. Sein „Stück Plastik“ riss mit seinen ätzenden Pointen auf neurotische Mittelstandsfamilien das Publikum zu Beifallsstürmen hin.

Die schrecklich nette Familie ist ein Fall für den Psychodoktor. Ehemann Michael (Markus Frank) ist schwermütig. Seine Frau Ulrike (Vivien Mahler) überdreht. Kein Wunder, assistiert sie doch bei dem zynischen Aktionskünstler Serge (Christoph Finger). Hinzu kommt der pubertierende Sohn (Johan Richter). Es entsteht ein Spannungsfeld aus Frust und Aggressionen, auf dem ausgerechnet die Haushaltshilfe Jessica aus Halle für Entlastung sorgen soll.

Ihre Aufgabe: nicht nur den Dreck wegputzen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes den Seelenmüll ausputzen. Also mit den Zicken des Sohns fertigwerden, die Launen der überforderten Hausfrau ertragen, die Ängste und Sexprobleme Michaels anhören und sich von Serge zum Objekt seiner Kunst machen lassen.

Julia Schmelzle läuft als gedemütigte Putze am Rande des Nervenzusammenbruchs zu großer Form auf. Die absurde Situationskomik wurde von Regisseurin Meike Harten herrlich in Szene gesetzt. Die Darstellung einer Welt, in der Doppelmoral herrscht und die Wohlstandsneurosen blühen: Sie traf am Premierenabend auf ein begeistertes Publikum. Satire im bewährten Stil der „Kontraste“ -Reihe.

Trailer - Stück Plastik