Theater Kontraste  

im Winterhuder Fährhaus HH

 

Premiere  28. Februar 2018 

 

Regie:  Meike Harten

Ausstattung:  Sabine Flunker               

Laufende Vorstellungen

bis 22.April 2018

 

 

Besetzung

Vivien Mahler              Luzi/Rita

Rabea Lübbe              Betty/Tanja

Kristina Brons             Iris/Katie               

Marion Martienzen      Carla/Martha 

Konstantin Graudus     Malte/Brenda     

 

 DIE WELT, 2. März 2018 

HERRINNEN  In der Komödie Winterhuder Fährhaus

 von Monika Nellison

(...) das Theater Kontraste untermauert seinen Ruf (...) gerade mit der fantastischen Inszenierung von Theresia Walsers bitterer Komödie „Herrinnen“ (...) Die möglicherweise letzte Kontraste-Premiere im Winterhuder Fährhaus, „Herrinnen“, überzeugt derweil mit scharfem Witz. Fünf Frauen, unter ihnen ein umoperierter Mann mit Riesenbrüsten, der sich hier ständig fragt, ob er nun als Mann oder als Frau spielt, bewerben sich um den „Staatspreis für weibliche Lebensleistung.“ Schon das ist wahnsinnig komisch, weil die skrupellosen Top-Managerinnen an Weiblichkeit nichts zu bieten haben. Sie sind männlich bis auf die Knochen, beharken einander allerdings nach allen Regeln der Zickenhaftigkeit. Meike Harten ist mit fünf überragenden SchauspielerInnen, Konstantin Graudus (Foto), Kristina Brons, Rabea Lübbe (Foto), Vivian Mahler, Marion Martienzen, eine Inszenierung gelungen, die man gesehen haben muss.

HH Abendblatt, 2.März 2018

Wahnsinn hinter den Kulissen

 von Stefan Reckziegel

Theresia Walsers komplexe Komödie "Herrinnen" überzeugt im Theater Kontraste.

Wie es hinter den Kulissen zugeht, ist immer wieder spannend zu sehen. Und wenn es sich um fünf Nominierte für den "Staatspreis für weibliche Lebensleistung" handelt, umso mehr: Keine der fünf Karrieristinnen weiß vor der Gala, ob sie die Auszeichnung erhält. Das ist die Szenerie für "Herrinnen" bei der einzigen Premiere 2017/18 im Theater Kontraste in Winterhude. Geschrieben hat sie Theresia Walser, deren Stück 2014 in Mannheim Uraufführung hatte. (...)

Wie so oft im Theater Kontraste gelingt die Umsetzung mit einer erstklassigen und fein geführten Darstellerriege.

Die beherrscht auch das Spiel auf zwei Ebenen und mit Brüchen: Was als Zickenkrieg in der freien Marktwirtschaft beginnt, entpuppt sich nämlich bald als eine Probe von fünf Schauspielern für eine neue Produktion, ein Stück im Stück. Schlichter Titel: "Die Tür".

Durch die tritt die Transsexuelle Brenda Finke alias Malte, dank Konstantin Graudus in rotem Kostüm und Pumps als urkomische Type angelegt. Die Frage "Und was ziehst du an?" treibt auch Rita Schuster um, einst Sekretärin, nun Herrin über 27.000 Mitarbeiter einer Firma für Baumaschinen. Vivien Mahler ist schlicht großartig, wie sie auf dem Theaterstuhl sitzt, breitbeinig wie ein Profikicker und prollig wie ein Preisboxer über "penislose Jammerziegen" schimpft, dann aber darüber nachdenkt, ob ihre Bluse die richtige für die Gala sei. Als Schauspielerin Luzi träumt sie von den großen Rollen.

Mit Potenzgehabe lassen sie und die Kolleginnen kaum eine Herabwürdigung aus. Rabea Lübbe spielt die feminin-straffe Topmanagerin Tanja Kreuz (alias Betty) und hat trotz 185 Tagen im Jahr auf Dienstreise vier Kinder: "Drei selbst gepresst, eins dazugekommen". Marion Martienzen geht im Hosenanzug als Staatsanwältin Martha Menke (alias Carla) am Stock, hat ihre Familienplanung aufs Eizellen-Eis gelegt und muss sich als "Kettensägen-Menke" beschimpfen lassen – Social Freezing. Nur Kindergärtnerin Katie Schlender trägt etwas weichere Züge, die Kristina Brons als Iris gekonnt in erbost mitfühlende wandelt.

Hinter den Kulissen steckt der nackte Wahnsinn; im Theater Kontraste verdichtet ihn Regisseurin Meike Harten zu pointierten Wortgefechten mit absurden Szenen – (...) "Der Weg ist das Ziel". Die Tragik ergibt sich fast wie von selbst, eine(r) von fünf Darstellern ist letztlich unerwünscht – obwohl von Sabine Flunker bestens ausstaffiert. Fast wie im richtigen Leben.

 

 

Hamburger Morgenpost, 2. März 2018

von Brigitte Scholz

 

Regisseurin Meike Harten ist eine Vollblutsatire auf das Spiel mit wechselnden Identitäten gelungen.

 

 

 

Trailer - Herrinnen